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Mein erster Gedanke war wirklich, 'ne Autobahn sitzt in meinem Ohr

erste Schritte mit dem CI

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Mein erster Gedanke war wirklich, 'ne Autobahn sitzt in meinem Ohr

(1. Tag)

Es war unwahrscheinlich Laut, ich habe gedacht gleich platzt mir der Kopf. … Vor allem meine eigene Stimme war sehr unangenehm, die hörte ich nämlich noch lauter als die Stimmen von den Anderen. … Dann sollte ich mal kurz raus gehen mit dem CI, was ich auch gemacht hab…

Bin total vorsichtig gegangen, um ja kein unnötiges Geräusch zu machen, weil die ganzen Höreindrücke mich einfach irritiert haben.

Ihr hättet mein Gesicht sehen sollen, als ich plötzlich merkte, dass jemand in 5 Meter Entfernung mit jemandem sich unterhielt.

Freilich verstand ich nichts, aber es war eine völlig neue Situation für mich, weil ich mit Hörgerät nur etwas laut höre, wenn ich nahe bei jemandem Stehe. Und Sprache hat sich ganz klar hervorgehoben, gegenüber anderen Geräuschen. Und ich war wieder vollkommen auf Lippenlesen angewiesen, was mich dann noch zusätzlich angestrengt hatte… Aber "sch" kann ich wieder hören, "s" noch nicht.
Ich hörte vieles, was ich nicht kannte und Sachen die ich mit Hörgerät hören konnte hörte ich nicht..., war sehr komisch, vom Gefühl her für mich...Komischerweise hörte ich bis zu einer bestimmten Entfernung ca. 5 Meter gut, darüber hinaus gar nichts...
Und ich war sehr froh das ich stationär die EA (Erstanpassung) gemacht hab, weil nach dem 1. Tag war ich mir echt nicht sicher ob es eine gute Entscheidung war...
Mir war klar geworden, dass man zu einem CI wirklich bereit sein muss, man soll es niemals jemanden einreden..., denn sonst würde man sich das CI direkt wieder runter reißen, weil es so laut und fremd ist...

Am Abend konnte ich die Tastatur meines Handys schon hören. … Nach dem Tag war ich einfach nur neugierig, was am nächsten Tag kommen möge...

"Konnte meine Schritte hören und das Kratzen der Feder auf dem Papier..."

(2. Tag)

120 Kanäle...

Die Achterbahn wieder runter, da ich jede einzelne Elektrode beim Anschalten merke, aber es war nicht mehr so schlimm wie am 1. Tag.
120 Kanäle, klingt deutlich schöner..., aber war sehr anstrengend auf Dauer, so dass ich am 2. Tag sehr oft hin und her gewechselt hab´ zwischen erstem und zweiten Programm …. Im Ersten, vom 1. Tag waren nur die 16 Elektroden unabhängig voneinander angeschaltet und bei 120 Kanälen werden sie miteinander verbunden... quasi....So dass man wahrnehmen konnte, dass Stimme eine Melodie ist und nicht aus abgehackten Tönen besteht.
Mir kam jedoch das CI, obwohl es deutlich leiser geschaltet wurde, immer noch zu laut vor, obwohl die Audiologen am liebsten das CI noch lauter eingestellt hätten. Sie vermuteten das es daran läge, dass ich so lange nichts mehr auf dem Ohr gehört hatte.

Mein Handy macht mir inzwischen zu viele Geräusche... ;-) (Nach meiner  Ansicht!) Hab am Nachmittag ein bissel MP3-Player ausprobieren wollen, war überhaupt keine gute Idee gewesen, danach tat mein Ohr weh...
Hatte daraufhin das CI (lediglich den Prozessor abgenommen, Anm. d. R) für eine kurze Zeit raus genommen.

Am 1. Tag war ich nicht so überzeugt vom CI, aber am 2. Tag hab ich gemerkt, dass es vermutlich mit jeder Einstellung besser wird ... worum ich mir jetzt natürlich Sorge mach, da ich ja eine Klinik ausgesucht habe, die weit weg ist...Am Abend mochte ich wirklich nicht mehr den Prozessor tragen, da vom Gefühl her mein Trommelfell weh tat, jedoch klärte mich eine andere CI-Trägerin auf, dass es wohl daran liegt, dass der Nerv zu sehr gereizt worden ist, da er so lange nichts getan hat und das spürt man, so wie wenn man ohne Training ein Marathon laufen würde.
Daher hatte ich am Abend den Prozessor abgenommen raus genommen und mir das Hörgerät auf der anderen Seite eingesetzt.
War wirklich erholsam...
Und da merkte ich erst richtig, dass ich mit dem Hörgerät andere Nebengeräusche wahrnahm, als mit dem CI und auch umgekehrt!
Da das CI sehr laut ist für mich, hatte ich schon wahnsinnige Angst vor der Heimfahrt und vor 'ner Mensa hab ich immer noch Angst...

 "...mit der Zeit hörte ich die Regentropfen..."

(3. Tag)

Es wurde nur das erste Programm raus genommen und stattdessen wurde das zweite Programm vom zweiten Tag nur nochmal eingefügt, aber leiser...
Und die Telefonspule wurde im dritten Programm aktiviert, jedoch dauert dies sicher noch, da ich noch nicht in der Lage war Sprache ohne Mundbild zu erkennen. Dann bat mich einer Mitarbeiterin der Klinik, ein paar Tiere zu nennen, die sie dann auf ein Blatt geschrieben hatte ... Sie hat sie zuerst mit Mundbild vorgelesen, dann ohne Mundbild, aber ich konnte es gleichzeitig auf dem Papier mitlesen und dann sollte ich erkennen welches sie genannt hatte ... so konnte ich die Tiere erahnen, anhand der Silbenanzahl. Worüber ich mich sehr gefreut hatte. :-)

Dagegen, sollte ich dann Zahlen hören, war nur ein Test, dort hatte ich nur geraten. ;-)
Dann kam die Heimfahrt... Regen..., ich hab die Straße zuerst gar nicht richtig gehört, aber die Fahrt dauerte ja etwas länger und mit der Zeit hörte ich die Regentropfen, die ich noch nie so differenziert hören konnte, man kann jeden einzelnen Regentropfen wahrnehmen, und auch andere Nebengeräusche die ich mir nicht erklären konnte, diese mochte ich allerdings überhaupt nicht und hab´ dann auch das CI leiser geschaltet ...

Beim Einkaufen, wollte ich auch nur schnell wieder raus, weil ich Sachen gehört hab, vor allem Laute, die ich sonst überhaupt nicht wahrgenommen hab. Und diese sehr laut. 

Hannah T., 21 Jahre alt, Studentin

Noch als kurze Anmerkung:
Mit 2 Jahren wurde meine Schwerhörigkeit bemerkt u. seit dem 2. Lebensjahr trage ich auch beidseits immer Hörgeräte. Früher war ich nur mittelgradig schwerhörig, jedoch verschlechterte sich meine Hörkurve deutlich kurz vor der Einschulung, durch mehrere Hörstürze.
Auf der Seite wo ich mich jetzt implantieren lassen hab, bin ich seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr in der Lage Sprache zu verstehen. (also Gehörlos)
Links bin ich hochgradig Schwerhörig.