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> Ihr Kontakt zu uns > Erlebnisberichte > Erfahrungen mit dem Auria von Andreas Fritzjus Erfahrungen mit dem Auria von Andreas Fritzjus
von Andreas Fritzjus Mir ist es ein Anliegen, allg. interessierte, CI-Anwärter usw. über die Möglichkeiten des HiRes90K und dem Auria zu berichten. Vielleicht ist es so besser möglich, sich nach dem Lesen meines Berichtes, eher das Leben eines CI Trägers mit HiRes90K und Auria vorzustellen. Dies insbesondere auf Einstellungsfragen des Systems und die damit verbundene veränderte Wahrnehmung bezogen.
Da Menschen bekanntermaßen verschieden sind und so verschiedene Vorraussetzungen haben, denke ich das meine Biografie nicht zu kurz kommen sollte. Ich war vermutlich von Geburt an, hochgradig bis an Taubheit grenzend schwerhörig. Die ersten BERA Ergebnisse von 1986 deckten auf, dass ich erst ab 110-115 dB eine Reaktion zeigte. Dies wurde allerdings erst mit 2 œ Jahren erkannt, weshalb die Ursache und die Vorgeschichte völlig unbekannt sind. Diese Diagnose war für meine Eltern ein niederschmetterndes Ergebnis, denn sie hatten keine Vorstellungen darüber, wie es möglich ist als quasi Gehörloser ein eigenständiges Leben aufzubauen. Sie kannten nur ein hörendes Leben.
So stand ich dann also im Sommer 2004 nun mit einem Gehör da, welches mich übermäßig strapazierte, nerven kostete und nicht mehr wirklich als brauchbares Gehör durchgehen konnte. Durch einen erneuten Klinikaufenthalt wegen dem nächsten Hörsturz erfuhr ich zufällig, dass diese Klinik auch CI's implantiert. Das war mir nicht bekannt, da ich vorher vom HNO behandelt wurde bzw. in andere Kliniken eingewiesen wurde. Ich nutzte die Gelegenheit und entschied mich mit Absprache des Arztes zu einer Implantation mit einem HiRes90k. Die Wahl des Implantates fiel mir leicht, da ich mich schon vorher sehr ausführlich über CI's und mögliche Unterschiede informierte. Die kurz darauf folgende CI-Operation verlief gut- und schon nach der Operation merkte ich, im Gegensatz zu anderen Patienten, dass mein Tinnitus rechts, auf der CI-Seite, komplett verschwunden war. Ebenso verlief die Erstanpassung gut, wenn auch ich wie jeder CI-Neuling nur ein deutliches voluminöses Piepsen wahrnahm. Doch schon Minuten danach, hörte ich schon vertraute Geräusche. Diese waren hauptsächlich Knackgeräusche, oder rhythmische Geräusche, wie z.B. ein Presslufthammer. Bereits nach einer Woche konnte ich schon recht gut vom neuen CI-Gehör profitieren. Die nachfolgenden Anpassungen beschränkten sich auf das lauter stellen und allgemeine Neujustierung von z.B. den Threshold-Levels. Die eingehende Dynamikbandbreite betrug immer 60 dB, was quasi der Standartwert bei der Erstanpassung mit dem Auria SP zu sein scheint. Nach etwa 2 1/2 Monaten begann für mich die Hörgeschädigtenschule wieder, und ich wohnte somit auch wieder im Internat dort, da ich sonst weiter weg wohne. Während des Schulaufenthaltes veränderten sich allerdings die Einstellparameter wieder massiv, weshalb ich das CI wieder neu einstellen ließ. Diesmal allerdings mit einer erhöhten Dynamikbandbreite von 72 dB.
Das Erste, was ich sofort bemerkte, war die Tatsache, dass die Töne nicht mehr so steil, hart und gepresst klangen, sondern mehr harmonisch, breitbandig und differenzierter. Es gab mir das Quentchen was mir irgendwie immer fehlte. Allerdings war auch gleichzeitig alles lauter. Deswegen musste das CI leiser gestellt werden, was aber keinerlei Nachteile bedeutete, es war alles genauso wie vorher, nur eben natürlicher. Gleichzeitig aber war die Sprache schwer zu verstehen, da ich erst einmal überrumpelt war von den Feinheiten in der Sprache; sowie erschien es mir, als ob die Elektroden auf einmal auseinandergewandert sind und nun alle extra für sich arbeiten, also zwar einheitlich, aber dennoch deutlich differenziert. Diese Effekte verschwanden aber wieder so schnell wie sie erschienen waren
Ein zusätzliches Anfangsproblem war, dass durch die hohen Dynamikbandbreiten mein Hörnerv überlastet wurde, wenn ich morgens meinen Auria SP einschaltete und die Lautstärke auf dem eigentlich normalen Alltagsniveau eingestellt war. Denn mein Hörnerv schien in der Stille der Nacht regelrecht einzuschlafen und reagierte dementsprechend zickig, wenn nun urplötzlich die volle Ladung an akustischen Informationen reingeknallt wurde. Aber ein leiserstellen des Auria SP's und eine darauf folgende langsame Steigerung der Lautstärke in etwa 5-10 Minuten löste dieses Problem. Heute macht mir diese Tatsache keine Probleme mehr und ich kann sofort auf Normallautstärke in den Tag starten. Lediglich die erste Sekunde unmittelbar nach aktivierung des HiRes90k Implantates durch den Auria SP ist noch etwas unangenehm, insofern jemand dann gleich mit mir sprechen möchte und redet während das CI System anläuft.
Ermutigt durch den Erfolg der höheren Dynamikbandbreiten und dem großen Zugewinn an Sprachverständnis und Hörqualität, entschied ich mich nun aufs Ganze zu gehen und die maximal mögliche Dynamikbandbreite des Auria SP von 80 dB auszunutzen. Dieser Schritt stellte sich allerdings als komplizierter heraus, als es die simple Zahlenangabe von 75 dB auf 80 dB es suggestiert. Denn bei der aktivierung der 80 dB Dynamikbandbreite-Map klang alles plötzlich verzerrt und es war mir zunächst nicht möglich diese Verzerrung angemessen zu beschreiben, so dass der Audiologe dies beheben könnte. Nach einigem Herumprobieren fanden wir heraus, dass der Auria SP dem Implantat nicht genug Strom übermittelt, damit dieses die 80 dB Dynamikbandbreite sauber auf die Elektroden übertragen kann. Ob dies nun an meiner dicken Kopfhaut liegt, oder eine Besonderheit des Advanced Bionics Systems ist, wenn es ausgereizt wird, vermag ich nicht beurteilen zu können. Jedenfalls wurden die Verzerrungen durch anheben des RF-Levels fast vollständig beseitigt, der RF-Level legt übringens fest, wieviel Strom der Auria SP dem HiRes90k Implantat zusenden soll. Was die noch vorhandenen Verzerrungen angeht, so treten sie allermeistens nicht auf. Sie treten nur auf, wenn eine sehr laute und extrem vielfälitige Geräuschumgebung vorhanden ist. Als Beispiel wäre hier ein Gang durch die Einkaufszone einer Stadt zu nennen. Das Gemisch von Musikanten, Marktschreiern, Gespräche der umherlaufenden Menschen und den dazugehörigen Alltagsgeräuschen überfordert wohl den Auria SP etwas. Immerhin muss dieser dann schwerstarbeit leisten. Der Auria SP muss in solchen Situationen eine sehr große Geräuschbandbreite in 16 Kanälen unterbringen. Dazu kommt, dass ich ja nicht nur die maximal mögliche Dynamikbandbreite fahre, sondern auch die maximal mögliche Anzahl der Impulse pro Sekunde, die der Auria SP liefern kann. In Verbindung mit dem erhöhten RF Level hat der Auria SP bei mir also alle Hände voll zu tun. Die Akkulaufzeit ist übringens nicht absolut zusammengeschrumpft, wie man es vielleicht befürchten könnte. Die kleinen Akkus halten 5-6 Stunden und die großen Akkus um die 12 Stunden. Dies ist zwar weniger, als der Werksseitig angegebene Wert, aber in anbetracht der abgerufenen Leistung absolut vertretbar und ich komme mit diesen Laufzeiten sehr gut zurecht.
Natürlich habe ich mich auch gefragt, ob es sinnvoll ist den Auria SP bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit zu betreiben. Denn immerhin verzerrt er ja in bestimmten Situationen. Also habe ich dem eine MAP gegenübergesetzt, bei der der Ton immer absolut sauber bleibt und demnach der Auria SP niemals überfordert wird. Das Ergebnis war eindeutig, das maximale Programm war für mich eindeutig das Beste! Trotz des Nachteils der Verzerrungen verstehe ich damit in geräuschvollen Umgebungen besser und die Musik ist ein wahrer genuss mit 80 dB Dynamikbandbreite. Gelegentliche Verzerrungen bei komplexen Musikstücken nehme ich da sehr gerne in kauf. Dazumal ja hierbei nicht das Implantat überfordert ist, sondern nur der Auria SP, der sich später durch verbesserte Nachfolger ersetzen lassen soll. Alles in einem war das erste CI von Advanced Bionics so überzeugend in seinen Möglichkeiten, dass ich mich bei der Implantation der zweiten Seite, zwecks bilateraler Versorgung, mich ebenfalls für Advanced Bionics entschied. Die CI-Operation der zweiten Seite verlief ebenfalls komplikationslos und einwandfrei. Auch die Erstanpassung verlief sehr zufriedenstellend. Wohl durch die Vorarbeit der erstversorgten Seite war es mir bei der zweiten Seite möglich, sofort Sprache zu verstehen! Auch die Ergebnisse des Freiburger Sprachtests nach der Erstanpassung der zweiten Seite konnten sich absolut sehen lassen. Ich verstand nur mit der neuen CI-Seite bereits 60-70% Einsilber. Eine Erhöhung der Dynamikbandbreite war recht schnell möglich. In mehreren Sitzungen konnte diese nun auf 75 dB erhöht werden. Interessanterweise trat hier kein ?Elektrodenwanderungseffekt? ein, wahrscheinlich lässt sich dies auch durch die Vorgewöhnung mit der erstvorsorgten Seite erklären. Allerdings wurde auch hier wieder alles lauter, was dann durch Runterregeln der Lautstärke, ohne weitere Nachteile, behoben werden konnte. Vielleicht wage ich später mit dieser Seite auch den Schritt auf 80 dB Dynamikbandbreite. Erst will ich dieser Seite eine mehr oder weniger längere Eingewöhnungszeit gönnen, denn sie klingt immer noch ein wenig anders als die erstversorgte Seite.
Beide CI's zusammen machen ihre Arbeit erstaunlich gut! Ich befinde mich nun auf einem Hörlevel welches ich vor gar nicht so langer Zeit für unerreichtbar gehalten habe. Natürlich bin ich immer noch nicht normalhörend, aber ich bekomme so langsam eine Ahnung was normal zu hören eigentlich bedeutet. Außerdem entwickelt sich ja die SP Technik weiter, welche ich dann mit meinen HiRes90k Implantaten nutzen kann. Denn dieses HiRes90k Implantat hat ,gemäß Advanced Bionics, noch so einige Reserven. Ich bin schon heute gespannt, was diese zukünftig geweckten Reserven noch bringen werden. Alles in einem hat mir das HiRes90k Implantat in Verbindung mit dem Auria SP eine Teilhabe an der normalhörenden Welt ermöglicht, welche einfach fantastisch ist! Statt nur bei Konversationen nebenbei rumzusitzen, kann ich nun aktiv daran teilnehmen und dies mit ganz erheblich weniger Problemen als ich sie vor meinen CI's hatte. Störlärm ist nun nicht mehr unbedingt mein Intimfeind, weil ich nun in der Lage bin, dank der Technik die Advanced Bionics bietet, mich über diesen Störlärm hinwegzusetzen. Die enormen technischen Möglichkeiten die Advanced Bionics mit dem HiRes90k Implantat und den dazugehörigen SP's bietet, haben mich tatsächlich ebenso enorm weitergebracht und mir das akustische Verstehen stark erleichtert. Musik, welche ich selbst mit den minimalen Möglichkeiten der Hörgeräte mochte, wurde mir nun noch näher gebracht. Hohe Dynamikbandbreiten, hohe Stimulationsraten und vieles mehr sind für mich keine technische Spielereien, sondern Möglichkeiten die mich sehr unterstützen beim Hören und diese Möglichkeiten bietet mir Advanced Bionics! |