Advanced Bionics Europe

Advanced Bionics Europe

enfant arrondi
> Ihr Kontakt zu uns > Erlebnisberichte > Erfahrungsbericht - G. Kettenus-Mistrali - mit dem Auria

Erfahrungsbericht - Gisela Kettenus-Mistrali - impantiert 25.11.2003 in Freiburg

They made a dream come trough!!

Mein Name ist Gisela Kettenus-Mistrali, ich bin 41 Jahre alt, wohnhaft in Bitburg/Eifel und alleinerziehende Mutter von zwei (noch "normalen" pubertierenden) Teenagern. Bis letztes Jahr August war ich in einer Kindertagesstätte als Erzieherin beschäftigt. Dann begann das Abenteuer CI!

Aber erst einmal von Anfang an: Ich habe als Kind und Teenager gut gehört. Es gab keinerlei Krankheiten oder andere Störeinflüsse (z.B. Beschallung durch Disco-Besuche, Konzerte etc.), die mein Gehör verändert hätten. Meine Mutter meint heute, dass ich zwar Mittelohrentzündungen gehabt hätte, aber auch nicht mehr, als andere Kinder, zu der Zeit, gehabt hätten.
Aufgewachsen bin ich in Aachen, meine erste Berufstätigkeit (im Restaurantwesen) führte mich nach Düsseldorf. Dort hatte ich einen Chef, der aus dem "hohen Norden" stammte, ein sehr gut akzentuiertes Hochdeutsch und zudem auch laut sprach. Ich war 20 Jahre alt und merkte eigentlich nur, das ich ab und zu Verständigungsprobleme am Telefon hatte.

Aber... ich schob das auf die Störgeräusche von außen. Dann wollte ich Karriere machen und wechselte den Betrieb. Ich bekam einen Vorgesetzten der sehr schnell sprach und zudem nuschelte. Nach 5 Tagen waren wir beide am Ende unserer Nerven. Ich war zu dem Zeitpunkt für Dispositionen und Personalplanung, Einkauf etc. zuständig und machte so ziemlich alles falsch was ich nur falsch machen konnte.

Ich sprach meinen Chef auf unser Kommunikations-Problem an und er meinte, wir hätten kein Kommunikationsproblem, sondern ich hätte ein "Hörproblem".

DAS fand ich natürlich lächerlich - (der Mensch war nämlich wirklich äußerst schmierig),
trotz alledem... Gisela ging zum HNO-Arzt. Dessen lapidarer Kommentar war. "Ich wundere mich, dass Sie mit Ihrem Gehör noch nicht von der Straßenbahn überfahren worden sind."
Ich bekam mein erste Hörgerät, rechts, das war mein "besseres" Ohr.
Kettenus-Mistrali_2003.jpg 
In den 80igern waren Hörgeräteakustiker im Dienstleistungsbereich, noch ganz weit zurück. Es gab für mich damals keine aufmunternden Worte, bzw. Erklärungen wieso ich das Hörgerät rechts tragen sollte, obwohl ich links wesentlich schlechter hörte. Die Krankenkassen zahlten zu der Zeit -für Erwachsene die ein ausgebildetes Sprachbild haben - kein zweites Gerät.
Und Ich ??? Ich trug noch nicht einmal mein erstes. Ich war Mitte Zwanzig, wollte Spaß, verliebt mich ständig neu und SCHÄMTE mich mit Hörgerät furchtbar. Somit wechselte ich zu einem Betrieb ohne nuschelnden Vorgesetzten und ...kam zurecht. Ich zog nach Bitburg heiratete 1990 und kam nicht mehr zurecht. Ich fing an mein Hörgerät ständig zu tragen. Meine Kinder kamen 1990 und 1991 zu Welt und in den Jahren merkte ich, dass das Gehör immer schlechter wurde.

1993 war ich auf einmal alleinerziehend und musste mich beruflich neu orientieren. Im Restaurant- bzw. Hotelfach konnte ich nicht mehr arbeiten, aufgrund der Wechselschichten und zwei Kleinkindern. Ich machte eine Umschulung zur Erzieherin und erhielt im Zuge dessen, mein zweites Hörgerät. Die Krankenkasse finanzierte dies, weil es für mich im Unterricht unerlässlich war. Natürlich schämte ich mich noch immer, aber...hier in Bitburg geriet ich an eine Hörakustikerin (damals schon eine sehr alte Dame, die leider bald darauf verstarb) die äußerst einfühlsam war. Sie gab mir die erste Prise Selbstvertauen, was meine Hörbehinderung betraf, mit auf den Weg. Ich begann mich damit anzufreunden und trug seitdem auch ständig beide HDO-Geräte.

1997 - ich hatte meine Umschulung abgeschlossen, arbeitete ich für das Jugendamt Bitburg, als sozialpädagogische Familienhilfe.Das bedeutete für mich, dass ich sehr viel mit Menschen kommuniezieren musste. Hier in der Eifel wird noch sehr viel Dialekt gesprochen. Ich selbst spreche es nicht hatte aber auch bis dahin keine größeren Probleme die Menschen zu verstehen. Das fiel mir zunehmend schwerer.
Ich ging zu meiner HNO-Ärztin, die eine deutliche Verschlechterung feststellt. Mir wurden stärkere HNO-Geräte verordnet und alles lief seinen geregelten Gang. Ich wechselte in eine Kindertagesstätte und es ging gut, bis zum Jahr 1999. Ich stellte fest, das ich die Klingel nur noch schlecht hörte, meine Kinder und ich redeten aneinander vorbei. Es machte immer weniger Spaß ins Kino oder in die Kneipe zu gehen.

Mein Gehör wurde schlechter.

Damit begann auch die (ich drücke es vornehm aus) Überwachung im Kindergarten. Mir wurde ans Herz gelegt, Atteste einzureichen, dass ich durch meine Hörschwäche keine Aufsichtspflichtverletzung etc. etc. begehen kann.
Im Jahr 2000 empfahl meine Ärztin den Antrag auf Schwebehinderung. DAFÜR bin ich ihr heute noch dankbar. Ihr gefielen die "erwünschten" Atteste überhaupt nicht. Sie machte sich schon Sorgen zu einem Zeitpunkt an dem ich noch naiv, blond und blauäugig war. Blond und blauaügig bin ich heute noch, gutgläubig schon lange nicht mehr.

Lange Rede kurzer Sinn.

Mit der Einstufung zur Schwerbehinderung ging "das Tänzchen" auf der Arbeit erst richtig los. Ich habe gearbeitet für 2 in dieser Zeit und mein Gehör beständig verloren. Ich habe auch Mobbing vom feinsten erlebt und das alles ca 1  1/2  Jahre ertragen und auch geschafft. Dann gab es den großen finalen Knall und nichts ging mehr. Ich war psychisch am Ende und sehr lange, sehr krank. Nach 8 Monaten Auszeit, habe ich dann im März 2002 meine Arbeit in der Kindertagesstätee wieder aufgenommen. Mittlerweile wurde ich vom Integrationsfachdienst für hörbehinderte Menschen im Berufsleben, betreut. Das erleicherte mir die Kommunikation mit meinem Arbeitgeber. Zugeständnisse wurden mir nur in Form einer Mikro-Link-Anlage gemacht, sonst nichts. Noch nie hatte ich so eine lange auszeit wegen Krankheit gehabt. Zurück in der Kindertagesstätte wurde mir bewusst, dass ich die Arbeit (mein Gehör wurde schlechter und schlechter) nicht mehr schaffte und somit stellte ich einen erneuten Umschulungsantrag bei der BfA. Meinem Arbeitgeber sagte ich nichts, ich kam zurecht. Jeder, der langsam sein Gehör verliert, weiß wieviele tausend Tricks es gibt, auf andere Sinne auszuweichen.

Als ich merkte, dass meine Sprache litt, ich geriet häufiger ins Stocken, da ich nicht mehr wusste wie man ein Wort ausspricht, wie es sich anhört, begann ich laut mit mir selbst zu reden. Ich las ununterbrochen, jedm der hören wollte, eine Geschichte vor. (Die Kinder haben mich geliebt) Zuhause las ich meine Bücher laut, ich sprach mit den Katzen mit dem Staubsauger, aber ich sprach und es funktionierte. Lippen ablesen war Pflichtprogramm und im kombinieren von Gesprächsinhalten sind wir wahrscheinlich alle spitzenmässig.

Im Mai 2003 hörte ich dann erstmals vom Cochlea-Implantat. Der HNO Gutachter der BfA empfahl es mir und gab mir direkt eine Überweisung für Freiburg mit. Ich bat um einen Voruntersuchungs-Termin und schilderte meine momentane  Problematik, besonders den Druck von Seiten meines Arbeitgebers.

Im September hatte ich dann schon den ersten Termin und fuhr nach Freiburg. Hier hatte ich erstmalig die Gelegenheit mich zu informieren. Ich war seit ca 10 Jahren linksseitig taub und hörte auch rechts fast nichts mehr. Die Klinik war sehr zuvorkommend. Meine Termine perfekt abgestimmt und alle sehr rücksichtsvoll. Ich erlebte zum ersten Mal, dass es in Ordnung war einfach mal NICHTS ZU HÖREN. Kein Problem für das Team, es wurde dann eben wiederholt. Da CI-Wohnheim in Freiburg ist ein Stück abseits von der HNO-Klinik. Auch hier wurde ich zur "Erstbesichtigung" eingeladen und informiert. Nach 3 Tagen Klinikaufenthalt stand fest, ich erhalte ein CI und zwar links. Wann war allerdings noch unklar. Kaum zuhause, lag ein Schreiben der BfA vor, das ich noch nach Bad Berleburg zu Reha, (zwecks, was machen wir mit Ihnen beruflich?) sollte.

Innerhalb einer Woche sollte ich nach Bad Berleburg und ... was soll ich sagen, einen Tag vor der Abfahrt nach Bad Berleburg, erhielt ich den Impantations Termin aus Freiburg.

24.11.2003 Aufnahme,  OP-Termin 25.11.2003

In Bad Berleburg ist es mir dann richtig gut ergangen. Ich kam zur Ruhe und konnte mich auf die CI - OP optimal vorbereiten. Hier erfuhr ich auch die Einzelheiten über die verschiedenen Hersteller. Ich entschied mich in Bad Berleburg für den Auria von der Firma Advanced Bionics.
Ausschlaggebend war hierfür das Wissen, dass der Chip ambulant entfernt werden kann. Mir war wichtig,dass ich im Falle eines z.B. Unfalls ohne große Probleme eine CT-Untersuchung des Kopfes z.B. machen lassen könnte. Das Implantat müsste dann nicht komplett entfernt werden und das fand ich sehr wichtig.

Zweitens beeindruckte mich die Funktionalität mit Akkus. Ich war es leid Batterien zu wechseln und ausserdem finde ich Akkus umweltfreundlicher.  UND ... da ich schließlich in erster Linie Frau bin...das CI von Advanced Bionics ist mit Abstand das SCHICKSTE, und silber??? Passt zu jedem Make-up !

Die OP verlief ohne Schwierigkeiten und ich wunderte mich nur wie schnell ich wieder fit war. Nach 5 Tagen durfte ich nach Hause fahren und sollte im Januar zu Erstanpassung wiederkommen.
Ok. weil Weihnachten etc. dazwischen lag, dauerte es bei mir fast 6 Wochen ehe ich wieder nach Freiburg fuhr. Diese 6 Wochen waren aber nicht schwer zu ertragen. Meine Op-Wunde heilte prima, Freiburg operiert mit "kleinem" Schnitt, also war der Kahlschlag auf dem Kopf nicht so gravierend. Tja und ich habe diese Ruhe die ich nun hatte nicht als lästig sondern als wohltuend empfunden. Kommuniziert habe ich über das Lippen ablesen und wenn gar nichts mehr ging mit Papier und Stift. Alle Freunde  und die Familie (ich kenne leider nur hörende Menschen) kamen sehr gut damit zurecht und wir haben sehr, sehr viel gelacht in der Zeit.

Mit dem Lachen war es dann im Januar erst einmal vorbei. Zwar hatte mir jeder gesagt, dass ich vom CI keine Wunder erwarten sollte, aber irgendwie ??? Man glaubt trotzdem, es wird eingeschaltet und ich höre. De, war nicht so.
Der erste Tag? Grauenvoll!!! Ich hatte das Gefühl ich würde in Rom auf dem Petersplatz stehen und alle Glocken Roms würden läuten. Ein ständiges Gebimmel und Sprachverständnis....null.
Der zweite und der dritte Tag ähnlich, aber..ab und an konnte ich ein Wort erkennen, einen Satz verstehen bzw. kombinieren.
Die Menschen, die mich im CI-Centrum Freiburg begleiteten, sprachen mir Mut zu. Herr Roth, der Techniker versichterte mir, dass wäre alles normal. Ich aber fuhr nach fünf Tagen, trotz allem total desillussioniert, nach Hause. Und fiel....in ein tiefes tiefes Loch. Niemand hier in der Eifel hatte Erfahrung mit CI´s. Kaum jemand wusste überhaupt was das war. Es dauerte sehr lange bis ich in Trier eine Logopädin ausfindig machte, die CI-Erfahrung hatte und mit mir das Hörtraining begann. Es war grauenhaft. Ich hatte mir alles einfacher vorgestellt, nicht so schwierig, so mühsam. Es hört sich vielleicht kitschig an...aber ich watete durch ein tiefes, tiefes Tal der Tränen.

Erst nach der zweiten Einstellung im März in Freiburg ging es bergauf. Herr Roth versicherte mir nochmals, dass sei alles ganz in Ordnung. Bei mir würde es vielleicht länger dauern, weil....ich links schon so lange nichts mehr gehört hätte...weil es mir psychisch nicht besonders gut ging, weil, weil, weil.
Ich hatte zuvor immer Berichte in der "Schnecke" gelesen, da war ständig die Rede davon wie toll doch alles mit CI ist. Ich empfand das nicht als toll, ich hätte es am liebsten an die Wand geschmissen.

ES GING ABER WEITER UND ES GING TATSÄCHLICH BERGAUF.

Im April konnte ich Fortschritte ohne Ende verzeichnen. Mir gelangen kleine Sätze zu verstehen ohne das Mundbild meines Gegenübers sehen zu müssen. Und im Mai. Es ist auch jetzt noch unbeschreiblich, ich saß im Garten und HÖRTE einen Vogel zwitschern.  Das hatte ich mehr als 20 Jahre nicht mehr gehört. Ich habe geheult wie ein Schloßhund, diemal aber vor Freude.
Es ging weiter und weiter. Ständiges Hörtraining und neue Einstellungen zeigten mir die wirklich fantastischen Möglichkeiten meines CI´s. Im Sommer war ich nochmals zum Intensiv-Hörtraining in Bad Berleburg. DAS hat mich einen sehr großen Schritt nach vorne gebracht. Vorbei sind die Zeiten, dass das Sprachverständnis blechern war. An meinem Advanced schätze ich die ausgefeilte Technik und den sehr guten Klang.
Das Abenteuer CI beginnteigentlich, für mich ein Jahr nach dem OP, erst jetzt so richtig. Zwar weiss ich, dass ich eine Arbeit in der Kindertagesstätte nicht mehr schaffe, aber ich habe dafür anderes geschenkt bekommen. Ein Gespräch ist wieder auf höchstem Niveau möglich, vielleicht nicht in einer lauten Kneipe, aber schon eher in einem netten Bistro. Das CI gibt Lebensqualität zurück, nicht alle aber einiges und das ist mehr, als ich erwartet habe. Bis jetzt ist es für mich noch der Anfang einer Reise, die hoffentlich noch mehr an Überraschungen bringt. Vielleicht eine neue Reise mit einem zweiten CI im rechten Ohr? Wer weiß? Auf jeden Fall, es stimmt man muss üben, üben, üben und nicht den Mut verlieren. Dafür, dass mich soviele Menschen in Freiburg und Bad Berleburg bestärkt haben, bin ich besonders dankbar.

Aber auch dem Team von Advanced Bionics. Denn wenn es keine Pioniere mehr gäbe, dann wäre die Welt um einiges ärmer.

They made a dream come trough!!